Gewohnheiten

Passion und so

Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Monaten sehr, sehr viele Videos über Passion geschaut habe. Sehr viele Videos. Unfassbar viele Videos. Und ich lese Bücher darüber, zum Beispiel aktuell The Quarterlife Breakthrough von Adam Smiley Podolsky.

Dieses Passion-Thema fasziniert mich irgendwie. Es klingt, als käme einem alles zugeflogen, was man sich immer gewünscht hat, wenn man nur den eigenen Leidenschaften nachgeht. Passion in eine Karriere umsetzen, mit seiner Passion Geld verdienen… MEGA! Will ich auch! Der Haken ist, dass ich keine Ahnung habe, was überhaupt meine Passions sind. Sachen, die mir Spaß machen – okay, die hab ich schon. Aber wie soll ich aus Friends-Bingewatching im Schlafanzug eine Karriere machen (Gary Vee hat hierzu Antworten, die find ich aber nicht so umsetzbar)? Ist Friends-Bingewatching überhaupt etwas, womit ich meine Tage professionell füllen will? Omg, dann müsste ich vielleicht doch noch einen Blazer dabei tragen (über dem Schlafanzug) und ich habe mir geschworen, für keinen Job der Welt einen Blazer tragen zu müssen. Es ist schwierig mit mir und den Passions.

Generell habe ich fast alles, was ich über Passion gelernt habe nicht von Gary Vee oder anderen fancy Youtube-Leuten gelernt, die mir etwas über Du kannst aus allem eine Karriere machen, wenn du es liebst gelernt. Die Person, von der ich wirklich über Leidenschaft und Hingabe gelernt habe (warum gibt es kein cooles Wort für Passion im Deutschen?), ist Tommy Caldwell. Tommy Caldwell ist als erster Mensch die Dawn Wall von El Cap geklettert und hat dafür einfach mal 7 Jahre seines Lebens geopfert. Das ist ungefähr die Zeit zwischen Geburt und zweiter Klasse in der Grundschule, also ziemlich lang. Er hat das ganze in seinem Buch The Push verarbeitet, was auch mehr oder weniger verfilmt wurde (The Dawn Wall) und auf Netflix verfügbar ist.

In Tommys Ted Talk bekommt man übrigens einen schönen Einblick da rein, was mich überzeugt hat. So ab Minute 10 geht es um die Dawn Wall.

Neue Perspektiven

Vor ein paar Wochen wurde mir eine Werbeanzeige für die Trekking-Guide Ausbildung angezeigt. Hey, das klingt irgendwie nach etwas, was mir Spaß machen könnte. Die Downside der Ausbildung ist jedoch, dass sie irgendwie ein wenig wischiwaschi ist und ich von einer Trekkingschule mit fancy Namen ein Stück Papier bekäme, das sagt Hey, cool. Sabrina hat unsere nicht-zertifizierte Ausbildung im Wald gemacht. Da bin ich leider zu deutsch und hätte am Ende schon gerne etwas Anerkanntes in der Hand. Vor allem, wenn ich für diese Ausbildung einen vierstelligen Betrag auf den Tisch legen soll. Also habe ich die Idee, mehr aus meiner Wanderleidenschaft zu machen, wieder ein bisschen zur Seite gelegt.

Und überhaupt, ich bin vor 2 Jahren zum ersten Mal gewandert, was berechtigt mich dazu, andere Leute durch die Gegend zu führen? Warum sollte ich dafür die richtige Person sein, wo ich noch nicht einmal weiß, was ich auf meiner 2-monatigen Wanderung essen soll? Vielleicht doch nochmal über die Friends-Idee nachdenken?

Heute war ich bei einer Info-Veranstaltung von einem Wanderverein, der eine vom Deutschen Wanderverbund anerkannte Ausbildungen anbietet. Die heißt Ausbildung zum Wanderführer und hat keinen coolen Namen wie Trekking-Guide, klingt aber definitiv viel fundierter. Und damit ist meine einzige Anforderung, was offizielles in der Hand zu haben, erfüllt. Wohin mich diese Ausbildung bringen wird, no idea. Ich weiß bisher nur, dass ich noch tiefer in das Thema eintauchen werde, was mich in den letzten zwei Jahren so zufrieden gemacht und so sehr beschäftigt hat, wie kaum ein anderes.

Vielleicht ist das Passion

Vielleicht ist es dieses nicht genug kriegen können von einer Sache. Und ganz ehrlich, mit meinen zwei Jahren Erfahrung weiß ich immerhin schon eine ganze Menge über’s Trekking. Alles andere eigne ich mir an oder probiere es aus. Anders habe ich es im Marketing ja auch nicht anders gemacht und das macht mir definitiv nicht so viel Spaß wie durch den Wald latschen.

Im Oktober werde ich also meiner Passion nachgehen und Wanderführerin werden. Mal sehen, ob das meinen Büro-Job ersetzen wird oder einfach eine schöne Abwechslung dazu wird. Es ist nicht El Cap, aber es ist meine persönliche Dawn Wall.

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